
Einleitung:
Der verehrte Fenchu
Flammenbart, Elementarist und Verehrer des Feuers, der bisherige Schreiber
unseres Tage-buches, ist leider einem der bösartigsten Flüche
eines Dämons erlegen. So kann er nur noch bedingt an vielen schönen
Seiten des Lebens teilhaben und ist nicht mehr in der Lage, seine die
Ohren beglückenden Formulierungen der Nachwelt Chemlons zu präsentieren.
Aus diesem Grunde habe ich, der Halbelf Boz, Dichter und Meister des Schwertes
vom Orden der Kobra, Behüter der Könige der Kedaessa und Bezwinger
Molkotts, diese ehrenvolle Aufgabe übernommen. Allen, die mich noch
nicht kennen sollten und unglücklicherweise nie etwas von mir gehört
haben, seien diese Verse ans Herz gelegt:
Hoch
aus dem Norden, dem Reich der Kedaessa, da komm ich her,
Meister des Schwertes, im Kampf wie kein Zweiter behänd,
vom Hofe des glorreichen Königs Sayd nahe dem Eismeer,
Verfechter der Schwüre des Ordens der Kobra, dem Dämonenend.
In der Hoffnung auch
nur ansatzweise an die Schreibkunst Fenchus heranzureichen, werde ich
dieses Tagebuch in seinem Sinne und in der Hoffnung, oh Isagrasel hilf,
dass sein Fluch irgendwann gebrochen oder zumindest gemildert werden kann,
weiterführen, um die Heldentaten von Bainar - das Unglück, Scharta
Gaun, Fenchu Flammenbart - Verehrer des Feuers und meiner Wenigkeit zu
berichten..
Dem aufmerksamen Leser
wird irgendwann auffallen, dass seit dem letzten Eintrag im Kapitel 10
des Tagebuches vom 9. Juni 701, einer der letzten Tage, an dem der werte
Fenchu noch der Alte war, einiges passiert sein muss. Wir befinden uns
jetzt im Jahre 704 und zwischenzeitlich haben Istel das Messer, Illusionist
seines Zeichens und En Rhed, einer der größten Magier Chemlons,
einiges für das Tagebuch in zwei Kapiteln festgehalten. Beide haben
die Gruppe wieder verlassen, Istel trieb es zurück zu seinem Wanderzirkus
"Das Lächeln Chemlons" und En Rhed zu seinen Büchern
in der Shon `Jir.
Da es ein schlechtes Omen wäre und wir alle auf Fenchus Rückkehr
hoffen, soll nicht näher auf die ereignisreichen und schmerzvollen
letzten Monate zurückgeblickt werden, die die Gruppe nach dem verhängnisvollen
Besuch auf der Insel Imreth Nebu erlebt hat. Erwähnt sei die ruhmreiche
Schlacht gegen eines der mächtigsten Wesen Chemlons, einen Großen
Drachen. Istel, Bainar (übrigens ein Geisterbeschwörer), En
Rhed, Fenchu, der kurzfristig wieder bei Sinnen war und dem mächtigen
Krieger Krogh vom Volke der She`Daan, gelang es einen wichtigen Schlüssel
aus dem Hort des Drachen zu entwenden. Doch im letzten Moment bemerkte
der Drache den Diebstahl und um seinen Mitstreitern die Flucht mit dem
Schlüssel, der das Schicksal Chemlons mitbestimmen sollte, zu ermöglichen,
stellte sich Krogh dem Drachen alleine in den Weg. Mit der Hilfe Gonnths
konnte Krogh vier todbringende Angriffe des Drachen überstehen und
sogar selber einen Treffer landen. Er, der der Gruppe auch den Sieg gegen
die Hydra Swagra ermöglichte, opferte sich heldenhaft und gab dem
Rest genug Zeit zu fliehen.
Erst nach diesem Ereignis
stieß ich auf Bainar, Istel und den devoten Fenchu. Gemeinsam brachen
wir nach Süden bis in die Glutsümpfe auf. Dort schloss sich
Scharta Gaun, ein erfahrener und mutiger Bootsmann aus der Gegend, an
und Istel kehrte zu seinem Zirkus zurück. Eine alte Zigeunerin aus
der Gauklertruppe prophezeite Scharta, dass "er in dunklen Gassen
und Tempeln wandeln, in eine große Stadt ziehen und von einem schwarzen,
mächtigen und feindlich gesinnten Mann erwartet wird. Diese Begegnung
wird über das Schicksal und die Zeitenwende entscheiden".
Ob diese Prophezeiung mit dem Auftrag Vrorks des Finsteren, einem der
mächtigsten Zauberer Chemlons, der in den Glutsümpfen lebt,
in Zusammenhang steht, wird die Zukunft zeigen.

1. Der Auftrag
Vrorks begann mit einem hinterhältigen Giftattentat auf ihn, dass
aber fehlschlug. Er beauftragte Bainar, den letzten Überlebenden
seines magischen Zirkels damit, dem Fall nachzugehen. Dabei kam er auf
die Spur eines toten Magiers aus Aynua, der die Drüse einer der giftigsten
Spinnen überhaupt bei sich trug. Um dieser Spur nachzugehen begaben
wir uns nach Aynua, der "Perle des Südens" und größten
Stadt weit und breit, die wir am 1.4.704 erreichten. Seitdem die Dämonen
den Norden überrannt haben, ist die Einwohnerzahl noch auf ein Vielfaches
angestiegen. Schon Kilometer vor den Stadtmauern hausen Flüchtlinge
am Straßenrand und um die Stadt herum hat sich ein stinkender Gürtel
von erbarmungswürdigen Menschen gebildet.
Wir alle waren zum ersten Mal in diesem Moloch, überhaupt in etwas,
dass man Stadt nennen konnte. Die Menschenmassen, das Häusermeer,
es war unbeschreiblich. Nie hätte ich es für möglich gehalten,
dass lebendige Menschen einen solchen Gestank verbreiten können und
ich brauchte lange, mich daran zu gewöhnen. Da wir zwar vorsintflutlich
gekleidet, aber durch unsere Waffen nach Geld aussahen, lies uns die Stadtwache
gegen viel zu viel Gold in die Stadt hinein und empfahl uns das Gasthaus
"Die Drachenklaue", die wahrscheinlich seinem Schwager gehörte;
aber ehrlich gesagt wirklich hervorragend und nur zu empfehlen ist.
Am nächsten Tag begannen wir planlos durch die Stadt zu rennen und
fragten jeden, der es nicht hören wollte, nach der Giftdrüse
und diesem Magier. Das Ergebnis war immerhin, dass er kein Magier, sondern
ein Gelehrter und Giftmischer war. Somit hatten wir zumindest eine Erklärung
für die Giftdrüse. In einer schmierigen Kneipe, ich glaube es
war das "Lords Erbe", erfuhren wir, dass er in letzter Zeit
im Auftrag eines sogenannten Anan Khan gearbeitet hat und erhielten seine
Adresse im Ostviertel. Noch in der Nacht drangen wir in das Haus ein und
durchsuchten es von oben bis unten, wobei Scharta eine ganz besondere
Genugtuung beim Zertrümmern des Inventars zu verspüren schien.
Er fand dann auch zwischen den Seiten eines Buches einen schriftlichen
Auftrag Anan Khans.
Am nächsten Tag hatten Scharta und ich etwas Erholung verdient und
in der "Roten Leila" bekamen wir es dann auch vom feinsten.
Erholt und äußerst entspannt schlummerten wir an der Seite
der Schönheiten dieses Hauses ein, bis Schreie uns aus den Träumen
rissen. Die Frauen an unserer Seite waren tot und an den Rufen hörten
wir, dass es noch andere getroffen hatte. Als erfahrener Abenteurer sagte
mir der erste Blick: Gift - irgendjemand muss etwas ins das Essen oder
die Getränke gemischt haben. Vhengyls Gurt, den ich niemals abnahm,
half mir gegen die Giftanschläge und lies mich unbeeindruckt, aber
Scharta kämpfte mit dem Leben und viele der Huren waren tot, ein
enorm starkes Gift. Sofort wurden Tränke verteilt, Scharta und viele
andere konnten so gerettet werden. Der feige Attentäter hatte ein
Zeichen hinterlassen:

Sofort erkannten wir
die Initialen: dreimal das A, wie in Anan Khan. Also steckte der Auftraggeber
hinter dar ganzen Sache und diesen galt es jetzt zu finden.
2. Anan Khan
kannte niemand oder wollte ihn nicht kennen. Den ganzen Tag waren wir
auf der Suche: Kneipen, Händler, Bibliotheken, Tempel - nirgendwo
war der Name dieses dreckigen Giftmischers oder seine Initialen zu finden.
Kontakte zur Diebesgilde ließen sich nicht herstellen - es schien
aussichtslos.
Eher zufällig erfuhr ich von einem Traum, einem Traum den jeder Dichter
aus der Provinz hat, einmal Edarion, den größten Barden Chemlons
dichten und singen zu hören. Und dieser Traum war greifbar nahe,
denn er war wieder in der Stadt und das bedeutete, dass er jeden Abend
in der größten Arena Chemlons auftrat. Man erzählte sich,
das wäre eine Queste an Isagrasel, die Edarion und seinen Mitstreitern
im Kampf gegen die Dämonen half. Neben der Erfüllung dieses
Traumes konnte uns Edarion vielleicht auch mit Anan Khan weiterhelfen,
denn niemand der in Chemlon wandelt, kennt sich besser in den alten Geschichten
und Legenden aus - unsere letzte Hoffnung. In fünf Tagen bekamen
wir Plätze für dieses Ereignis und Bainar, der Edarion zusammen
mit Fenchu, Istel und En Rhed schon einmal hoch im Norden, in Nyr' Tul'
Quien, der geheimen Stadt unter den Bäumen getroffen hatte, versuchte
sofort eine Audienz zu bekommen. Aber bis zum Konzert kam keine Antwort.
Der 5.4.704, der Tag des Konzertes war gekommen und es ist noch herrlicher,
als ich es zu träumen gewagt hätte - diese Stimme und dieser
Ausdruck, dazu eine perfekte Beherrschung der Instrumente - er ist wahrlich
der größte Barde aller Zeiten. Nach dem Konzert empfing uns
Edarion - der Clanmeister von Nyr' Tul' Quien und schenkte uns ein wenig
seiner kostbaren Zeit, indem er uns viele neue Informationen über
A3 geben konnte: Anan Khan gehört, oder besser ist die "Khan
Gilde", von der man sagt "sie seien immer zu zweit", der
Meister und der Schüler, und "sie seien die Besten". Der
Gründer der "Khan Gilde" war früher Mitglied der "Gilde
der Looth", einer Assassinengilde. Er war ein sehr talentierter Assassin
und sein Meister versuchte seine eigene Macht zu stärken, indem er
Khan töten lassen wollte, was aber nicht gelang. Als Dank brachte
Khan alle Mitglieder der Gilde um und gründete die Khan-Gilde. Edarion
schloss seine weisen Worte mit dem Tipp, dass in der Bibliothek von Nippur
eventuell weitere Informationen zu finden seien. Nach dieser herrlichen
Begegnung für jeden Poeten der auf Chemlons Wegen wandelt, schloss
der Tag mit einem hervorragenden Rotwein in der Drachenklaue.
Bevor wir in den frühen Morgenstunden des übernächsten
Tages in See stechen wollten, organisierte Seebär Scharta am Tag
vorher zum Schein eine Passage nach Assur und erkundigte sich heimlich
über die "Straße von Xuan", die wilden Gewässer,
die Aynua und das Festland von Nippur trennen. Nachdem er im "Blauen
Haken" 20 Goldstücke für diverse Lokalrunden ausgegeben
hatte, erhielt er neben viel Seemannsgarn die richtigen Informationen
und konnte eine ordentliche Schaluppe für unsere Zwecke auftreiben.
Bainar verkaufte in der Zwischenzeit einem Geisterkollegen namens Sarawar
die Giftdrüse der Spinne und erhielt dafür den Spruch "Bluthydra",
ein zugegeben sehr mächtiger Spruch, auch wenn es nicht besonders
mutig ist, andere für sich kämpfen zu lassen.
Am Vorabend der Abreise gaben wir eine zünftige Abschiedsparty in
der Drachenklaue und eine Menge Ogerbräu, Kisil-Schnaps, Aynua Brutal
(was auch immer das sein mag, ich probier es lieber nicht) und viele Flaschen
Wein gingen durch unsere durstigen Kehlen - Dank sei Wirt Andraa. Dabei
verbreiteten wir vollmundig die Kunde, dass unser Auftrag (welcher Auftrag?-
egal, hab ich vergessen, du Sausack, rülps!) vollbracht ist und wir
zurück nach Assur reisen können. Kurz vor unserer Abreise in
den frühen Morgenstunden, ohne Schlaf und umso mehr Kopfschmerz,
erfuhren wir Gerüchte, die uns fast wieder nüchtern werden ließen.
Diese besagten, dass der große Paladin Binaja von seiner Queste
mit einem Gegenstand zurückgekehrt ist, dieser Gegenstand aber wohl
nicht der richtige war. König Timal wirft Binaja Betrug vor und hat
ihn aus der Stadt werfen lassen, und das wo dieser doch eigentlich seine
Tochter heiraten sollte. Man konnte auch hören, dass Binaja von üblen
Mächten, von Dämonen, überwältigt wurde - was aber
wohl nicht gesichert ist. Zudem scheint es einen Krieg der Assassine in
der Stadt zu geben. Die verschiedenen Gilden meucheln sich gegenseitig
und auch andere ab, zum Beispiel den wichtigen Bibliothekar von Aynuas
großer Bibliothek und einen Halbtroll-Barden, dessen Namen ich mir
nach der Party beim besten Willen nicht merken konnte. Dabei fällt
ständig der Name von A3, der möglicherweise selber die Morde
begangen hat. Das letzte Gerücht ist das richtige Stichwort, wir
gaben vor ins Bett zu gehen, schlichen uns aus dem Gasthaus in Richtung
unserer Schaluppe und stachen in See. Dabei musste unser werter Bainar
natürlich wieder seine Heimatebene benutzen und stieß, wie
eigentlich immer, auf einen Dämon. Diesmal hatte er Glück, es
war nur ein schwächlicher "Dämon der Schwerter", den
er so gerade eben in Schach halten und in seine vorläufigen Jagdgründe
schicken konnte. Super-Bainar hätte es dich erwischt!

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