Chemlon, irgendwo im Lande Norgroth des Jahres 703

17. Dezember
Wir sind gen Süden aufgebrochen. Kurz vor Einbruch der Nacht hat Tarn ein geschütztes Nachtlager gefunden. Wir machen ein Feuer und ruhen uns aus. Es ist ein lausig kalter Wintermonat. Ich werde mir Mühe geben, von sonnigen
Gestanden zu träumen.

19. Dezember
Nur knapp entkamen wir erneut dem bösen, dämonischen Ränkeschmieden. Tarn hatte uns wiederum einen lauschigen Lagerplatz gefunden. Es war eine auf den ersten Blick angenehme, vom Unbill der Witterung geschützte Lichtung, gesäumt von großen Bäumen. Wir teilten die Wachen für die Schlafenszeit ein und betteten uns zur Ruhe. Nach Mitternacht verfiel ich dann in einen sehr unruhigen Schlaf und begann von dämonischen Wesen zu träumen, die uns in einem Verlies attackierten. Plötzlich riss mich mein treuer Geist, der liebe Honschu, aus dem Schlaf und zu meinem Entsetzen stellte ich fest, dass mich die Ranken einer der Bäume fest umfasst hielten. Ich schrie sofort Warnrufe an meine Gefährten. Als ich mich alarmiert umblickte, da sah ich sechs Bäume, die mit ihren Ranken mich und meine Freunde umklammert hielten. Von ihren Stämmen schlängelten die Fangarme zu unserer Lagerstätte und mir wurde klar, dass sie von einer bösen Verzauberung befallen sein mussten. Langsam und ohne das wir etwas dagegen unternehmen konnten, zogen uns die Ranken in das Erdreich hinein. Kha`na Wa hatte sich als einziger dank seiner großen Kräfte befreit und hub mit seinem Schwert auf einen Baum ein.

Die von dunklen Mächten beseelten lianenartigen Verwachsungen zogen uns immer weiter ins Erdreich hinein. Mich ängstigte die Vorstellung, dass wir nun ersticken müssten, doch plötzlich fiel ich befreit von den Ranken in eine schwarze Tiefe und landete recht unsanft auf einem Kellerboden. Wir waren in ein unterirdisches Verlies gezerrt worden. Schlagartig erinnerte ich mich an den Traum und ahnte schon Übles. Mit einer astralen Sicht erkannte ich dann auch schon eine seltsame Kreaturen, die auf uns zustürmte. Leider war es dort unten stockfinster wie im Po des Kha`na Wa und ich hoffte nicht, dass wir diese hinterhältige Attacke überstehen würden.

Der geflügelte Unhold griff zunächst den Schützen Thal an und traf ihn mit seinen mächtigen Krallenhänden. Mit dem Zauberspruch des Knochenbrechens gelang mir im zweiten Anlauf dann aber, dass Wesen zu töten. In der daraus
gewonnenen kurzen Verschnaufpause erkannte ich, dass das Wurzelwerk der oberirdischen Bäume hier im Kellerloch mündete und ganz blutig verschmiert aussah. Kaum dass ich eine handfeste Überlegung zu dieser Abnormität des Grauens anstellen konnte, erkannte ich den andauernden Ernst unserer Lage: Weitere sechs gehässige Flügel-Unholde tauchten vor uns auf. Kha`na Wa hatte in der Zwischenzeit oben weiter wie blindwütig auf die Bäumen eingedroschen und bekam von der sprichwörtlichen Wurzel allen Übels nichts mit. Da so auf
seine mächtige Unterstützung im Kampfe nicht zu hoffen war, entschloss ich mich zum hemmungslosen Einsatz meiner magischen Kräfte. Zauberkundige mögen ahnen, dass allzu entfesseltes und für die eigene Person keine Rücksicht kennendes Magieverwenden durchaus auch den Erzeuger von Vernichtung in den Tod zu reißen vermag. Nun denn, mein starker Spruch vom Brechen der Knochen raffte gleich drei der Unholde dahin. Mich schwächte dies allerdings bedrohlich. So zum Ziel ihrer Angriffe geworden, musste ich den Krallenhieben ausweichen und dies gelang mir auch zunächst gut, bevor mich dann eine Pranke böse verletzte. Thal hatte sich von den eingesteckten
Treffern leidig erholt und holte sodann eine Bestie mit seinem Dämonenbogen Shian`Dor von den Beinen. Dem Rest der Mischpoke verschaffte ich dann die Fahrkarte ins Totenland. Leider überanstrengte mich diese selbstlose Tat so
sehr, dass ich bewusstlos zusammenbrach.

Als dann Thal Rhasank und der Paladin das Verlies näher erkundeten, da machten sie eine merkwürdige Entdeckung: Nicht weit von dem Orte, an dem wir uns aufhielten, da gab es eine Art Torbogen, in dessen Rahmen ein "astrales Netz" hing. Offenbar hatten sie dort einen Übergang ausfindig gemacht, mittels dessen die Diener des Bösen Zutritt in das Diesseits erlangt hatten. Als Kha`na Wa auch eine Wurzel durchtrennte, die direkt von den
verwunschenen Bäumen zum Torbogen reichte, verloren diese ihr unheilvolles Eigenleben. Die beiden Übereifrigen zerstörten auch sogleich den gesamten Torbogen mit brutaler Gewalt und das Netz zerfiel in kristalline Asche.
Vielleicht taten sie ja damit das Richtige, doch mein Gefühl sagt mir noch jetzt, dass man auch gefährlichere magische Begebenheiten zunächst sorgsam studieren muss. Nach dem erfolgreichen Kampfe wollten wir zunächst eine eintägige Rast einlegen, um unsere Wunden zu versorgen und neue Kräfte zu schöpfen.

20. Dezember
Wir brachen heute wieder auf mit dem Ziel, diese magische Verbindung im Süden zu finden. Ich wünschte, wir kämen bald an. Auch das Kräutersuchen bringt mir in den eisigen Nordlanden keinen rechten Spaß mehr. Mein Plan von einer zu schaffenden Akademie der Dunklen Künste nimmt jedoch weiter Formen an. Ich werde schon bald damit anfangen, viele gelehrige Schüler in die feinen Künste der Magieverwendung einzuführen. Meine Gottheit stehe mir bei dem Werke zu ihren Ehren bei!

16. Januar 704
Kha`na Wa erzählte mir sehr Interessantes und meine Neugier ist geweckt. Er sagte mir, dass in seinem Schwerte ein Geist hause und diese, seine Klinge den Namen "Frostnarbe" trage. Ich bin ganz neidisch geworden und sogar wohl auch grün im Gesicht, als ich dies hörte.

17. Januar
Mein Blutdiener hat uns heute bei der Wanderung gen Süden auf eine seltsame Öffnung in der Größe eines Fasses im Boden aufmerksam gemacht. Und tatsächlich: Neben dieser war eine Steinplatte in den Boden eingelassen, auf
der wir eine seltsame Inschrift lesen konnten. Offenbar ein Rätsel. Es steht dort geschrieben, dass die Lösung etwas sei, was einen Bart hat, einen Kopf und doch.... Nun, ich platzte die Lösung "Schlüssel" sofort heraus und bewies damit erneut meine große Meisterschaft im Knacken von kniffeligen Geheimnissen. Dann schrieb ich die Lösung mit einem Keil auf die Steinplatte und nach nur kurzer Zeit sauste durch dieses Loch im Boden eine Windelfin zu
uns. Sie stellte sich mit dem Namen "Asra" vor und befragte uns nach Namen und Begehr. Wir erfuhren sodann, dass wir den Eingang zum Clan der magischen Verbindung gefunden hatten. Während der kleinen Plauderei erfuhr ich, dass Asra sogar den Namen meines Ziehvaters kannte.